Krankschreibung und Sport – Widerspruch?

Freizeitaktivitäten:
Was während der Krankschreibung (nicht) erlaubt ist

Haben Sie sich auch schon mal als Arbeitgeber über Arbeitnehmer geärgert, die offiziell krankgeschrieben waren, dann aber bei anderen Tätigkeiten gesehen wurden?

Schließlich gilt der Grundsatz: Während einer Arbeitsunfähigkeit ist der Arbeitnehmer verpflichtet, alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögern könnte. Mit anderen Worten: Ihr Mitarbeiter darf während der Arbeitsunfähigkeit keine (Freizeit-)Aktivitäten ausüben, die an die durch die Krankheit eingeschränkten Körperfunktionen erhebliche Anforderungen stellen. Also: Der Gesundungsprozess darf nicht leichtfertig gefährdet werden. Beispiel: Ihr Mitarbeiter Karl Frontal ist wegen Rückenbeschwerden seit mehreren Wochen arbeitsunfähig krank. Dennoch fährt Karl Frontal zum Skilaufen nach Bayern. Bei einer alpinen Skiabfahrt stürzt er und bricht sich das Bein. Hierdurch wird seine Arbeitsunfähigkeit erheblich verlängert. Folge: Beim Skilaufen trotz Rückenleidens handelt es sich – wie auch die Folgeverletzung zeigt – um eine der Genesung abträgliche Tätigkeit. Karl Frontal hat damit seinen Heilungsprozess leichtfertig verzögert. Doch was ist erlaubt und was nicht? Hier die Antwort:

Freizeit: Diese Aktivitäten sind (noch) erlaubt
Abhängig von der Erkrankung ist der Arbeitnehmer nur in den seltensten Fällen verpflichtet, das Bett zu hüten. Sie werden deshalb regelmäßig nicht auf genesungswidriges Verhalten schließen können, wenn Ihr Mitarbeiter
• Spaziergänge unternimmt,
• Sport treibt (Ausnahme: Leistungs- oder Extremsport),
• Reisen oder Ausflüge unternimmt (sofern die Art der Erkrankung nicht entgegensteht),
• einkaufen geht oder
• sonstige Besorgungen erledigt.

Erwischt: Nebenjob trotz Krankschreibung?
Erfahren Sie, dass sich Ihr Mitarbeiter trotz des Gelben Scheins für seinen Nebenjob noch gesund genug fühlt, kann Sie das sicher auf die Palme bringen. Doch ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, heißt das, dass er vorübergehend nicht in der Lage, seine vertragsgemäße Arbeit zu verrichten. Das bedeutet aber nicht, dass damit jede anderweitige Betätigung ausgeschlossen ist. Auch hier ist der Maßstab: der Mitarbeiter hat sich zugunsten seiner Genesung zu schonen.
Beispiel: Ihr Kraftfahrer Rudi Rasant ist nach einem Verkehrsunfall wegen 2 Rippenbrüchen und Prellungen des Fußgelenks krankgeschrieben. Ab der 4. Woche seiner Arbeitsunfähigkeit geht Rudi Rasant seinem Nebenjob nach und hilft stundenweise in der Taxizentrale am Funk aus. Folge: Die stundenweise sitzende Tätigkeit wird den Heilungsverlauf von Rudi Rasant nicht verzögern. Sie können diesen Nebenjob weder verbieten noch sonstige Konsequenzen darauf stützen.

Ihre Mittel gegen Blaumacher
Ob Kündigung oder Gehaltskürzung: Welche Mittel Ihnen zur Verfügung stehen, erläutere ich Ihnen gerne persönlich!
In der nächsten Ausgabe von Bestens heißt es: Mitarbeiter freistellen – mit diesen Mustervereinbarungen sind Sie immer auf der richtigen Seite.
Einen schönen und unbeschwerten Sommer wünscht Ihnen

Ihr

Marc Dieluweit