Trotz AU arbeiten – geht das?

Trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung arbeiten? – das ist zu beachten

Die Gerüchte, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer auch nach vorzeitiger Genesung noch nicht wieder arbeiten gehen dürfen, halten sich hartnäckig. Dabei gilt der Grundsatz: wer gesund ist, darf auch arbeiten, und das auch trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Die Krankschreibung stellt kein Arbeitsverbot dar! Vielmehr erfüllt sie zwei Funktionen. Sie dient einerseits als Feststellung, dass jemand zum aktuellen Zeitpunkt nicht in der Lage ist, seine jeweilige Tätigkeit zu erledigen und andererseits als ärztliche Prognose, wie lange dieser Zustand voraussichtlich andauern wird. So mag es natürlich sein, dass diese Prognose nicht eintrifft und der Arbeitnehmer früher wieder arbeitsfähig ist. Wird der Arbeitnehmer wieder früher gesund, als vom Arzt prognostiziert, so darf er auch wieder arbeiten gehen.
Anders als bei der Krankschreibung, bei der der Arbeitnehmer den Arbeitgeber gemäß § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz binnen 3 Tagen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen muss, soweit einzelvertraglich nicht anders geregelt, besteht eine ähnliche Pflicht nicht für den Fall der Genesung. Hierzu muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber keine „Gesundschreibung“ vorlegen. Nicht nur, dass es eine „Gesundschreibung“ nicht gibt, aus rechtlicher Sicht besteht auch keine Notwendigkeit, eine Bescheinigung darüber vorzulegen, dass der Arbeitnehmer wieder genesen ist.

Auch an dem Gerücht, der Arbeitnehmer würde seinen Versicherungsschutz (z.B. Unfallversicherung) für den Fall verlieren, dass er trotz AU arbeiten geht, ist nichts dran. Die AU hat keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz.

Was im Falle einer Krankschreibung für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer für Rechte und Pflichten bestehen, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von Bestens.

Ihr

Marc Dieluweit